Hervorragende Bilder sind anSPRECHEND

Fotografie bedeutet nach meiner Meinung nicht bloß das Festhalten einer Erinnerung oder Optik-, Chemie-, bzw. Elektronikkenntnisse, sondern auch das bewusste Gestalten einer Kommunikation mit Bildern. Ich (Andi Kunar) will hier damit eine Plattform für die Beschäftigung mit dieser bilderSPRACHE schaffen.

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Die Hindernisse sind für die Anderen!

von Andi Kunar am 20.3.13 13:58

Ich meine, wir lassen uns zu oft von (fiktiven) Grenzen behindern/irritieren – das führt zu Einheitsbrei und Frust. Nervt mich sehr, und habe deshalb mal wieder rumgespielt, möchte darüber berichten.

In der letzten Zeit hab ich sehr viel kommerziell im Studio Menschen fotografiert. Damit keine Lust auf weitere übliche Studiobilder. Andrerseits nervt mich das Wetter grad sehr (OK, heut ist grad Frühling, morgen kommt aber der triste Winter wieder zurück) daher muss ich eigentlich im Studio fotografieren. Hab ein sehr schönes Model gebucht (Alexandra/Saju) und versucht, meinen Studioeintopf zu ändern, gleichzeitig aber auch genau das zu fotografieren, was ich will (unabhängig vom verrücktspielenden Wetter) …

DSC_1036-Editx(sorry für die facebook-konformen Balken!)

Ignoriertes Hindernis #1 – im Studio+Blitz kannst nicht mit offener Blende 1.4-2.0 (d.h. wie available Light) fotografieren! Du musst Einstelllicht nehmen und Weißabgleichhorror durchmachen oder spezielles Licht kaufen. Aber meine Blitze lassen sich gottseidank auf 8Ws herunterregeln. Damit kann ich wunderbare (und sehr kontrollierte) Blende 1.8 available-light Stimmungen mit guter Farbtemperatur ausleuchten. Hier ein SEHR gerichtetes großes Hauptlicht von vorne (Ringblitz in 1,5m parabolischen Schirm, etwas weiter weg, um den Vorhang vs. dem Model nicht zu sehr zu überstrahlen) für Klarheit aber auch schönen Schatten/Spitzlichtern und ein Hilfslicht von rechts/hinten, dass ein seitliches Fensterlicht simuliert (den Köper zusätzlich modelliert).

Ignoriertes Hindernis #2 – Objektive muss man 1-2 Blenden abblenden, damit die Qualität gut wird! Ich mag die neuen Nikon 1.8er Objektive an der D800 extrem gern. Die bringen für mich bereits total offen sehr gute Leistungen. Siehe Pixel-Peeping Gesicht + Haut …

Combo2 2

OK, hier sieht man auch den leichten Frontfokus des Objektives (ich hatte aufs nähere Auge scharfgestellt und das war dann eher am hinteren Ende und nicht in der Mitte des Schärfebereiches), muss ich justieren (die Kamera gehört eh zum Jahresservice, danach messe ich sie neu ein).

Aber ich bin von der Detailzeichnung der Kombination Kamera+Objektiv gemeinsam mit dem nicht-diffusen-aber-so-aussehenden Licht begeistert.

Hoffe, diese Anregungen bringen Euch auf neue Ideen,
Andi

P.S.: Ok, SEHR lange nichts mehr geblogged – mea culpa (zu viel beruflich fotografiert, zu wenig Zeit)!

Sprache und Technik - Dynamikumfang und Lightroom4

von Andi Kunar am 13.12.12 2:21

Bilder wollen kommunizieren, oft bin ich aber sprachlos. Mich reizt es sehr, dann neue Erzählmöglichkeiten zu finden.

Sonnenaufgang! Am Meer! Einsamer Strand! Wind! Wellen! Wolken! Welche Farben, welche Stimmung!!

… und davor eine schöne und ausdrucksstarke Frau, situativ (Meer am Morgen) passend (d.h. kaum) bekleidet!

OkOkOk – Andi wie fotografierst denn das? Die aufgehende Sonne scheint Dir direkt in die Kamera (hey, wenn’st keine Sonne am Horizont siehst, ist’s auch kein Sonnenaufgang). Und den Himmel magst nicht Weiß sondern farbig. Hmm, damit wird die schöne Frau zur Silhouette.

Blitzen!!!???
Kamerablitz? nein Danke! (mühsames Akkuladen, Entfernung/Ausleuchtung/Energie?)
Porty? schwierig/gefährlich (Wasser+Wind+Wellen und Hochspannung? Nur ein 5 Minuten Zeitfenster, dabei mit schnell änderndem Licht und manueller Belichtungsmessung?) – Nein!

Reflektor??
Nein! (Ein großer Reflektor würd mit samt dem Assistenten bei dem Wind davonfliegen, ein kleiner ist unbrauchbar für Ganzkörper und auch zu weit weg, damit er nicht im Bild wäre)

Ich habs daher Ende November in Lanzarote alleine mit dem Dynamikumfang der Kamera (Nikon D800) und den Nachbearbeitungsmöglichkeiten von Lightroom 4 probiert – mit für mich einem unglaublich guten Ergebnis!

DSC_6076 corr

Oben das Bild aus der Kamera (OK, mit dem Horizont gerade gedreht – ich kniete/lag am Meeresrand, kaum Chancen die Kamera exakt gerade zu halten – damit nur 29 MPixel Bild statt 36). Unten die mit Lightroom4 aufgehellte (inkl. Weissabgleich, Haarkorrekturen,…) Variante. Im Detailausschnitt seht Ihr das Rauschen – aber das sieht man bei 29MPix auch auf guten Ausdrucken nicht mehr.

Bessere/Teure Kamera = Bessere Bilder?

von Andi Kunar am 24.10.12 19:00

… oder kommt’s überhaupt nicht drauf an? JEIN! Die Kamera ist NICHT egal, die falsche Kamera behindert mich beim Fotografieren. Die FÜR MICH RICHTIGE Kamera hilft mir bessere Bilder zu machen. Ist das für mich als Profifotograf aber immer auch die teuerste/beste?

Im Studio brauche ich eine Kamera mit guter Auflösung und guter Bildqualität bei kontrolliertem Licht. Sie muss auch mit meinen Objektiven kompatibel sein. Ansonsten brauch ich von der Kamera eigentlich sehr wenig – OK, natürlich gilt für einen Prof erst recht: nicht für Unnötiges bezahlen. Deshalb wage ich ein Experiment:

Ich habe mir grad die billigste neue kleine Nikon (D3200, im Set um EUR 499) gekauft. Von den Leistungsmerkmalen sollte die eigentlich die ideale Profi-Studiokamera für mich sein (24 Mpix Sensor mit super Qualität). Als GWG abgeschrieben habe ich minimale Kosten und schone damit auch meine Allroundkamera (Nikon D800). Ich werde Euch berichten, ob mein Experiment funktioniert.

Übrigens: Mit meiner “größeren” Allroundkamera (D800) bin ich sehr zufrieden. Eigentlich ist die keine Action/Low-Light Kamera (das ist die D4). Aber für meine Gelegenheitssportaufnahmen bei wenig Licht (links) und in Bewegung (rechts, alle Füße sind beim Quickstep hier grad in der Luft) funktioniert die auch recht gut …

DSC_4442  DSC_4567

P.S.: Mea Culpa, ich hab in den letzten Monaten lieber selber getanzt als geblogged/fotografiert. Ich gelobe Besserung!

Zarte, helle aber klare Sprache

von Andi Kunar am 5.5.12 11:20

Ich mag die Stimmung von viel Licht, aber ohne davon erschlagen/verbrannt zu werden. Die Stimmung von Morgensonne am Meer oder einen strahlenden späten Sommernachmittag, halt auch im Studio. Die Klarheit/Helligkeit, dabei ohne knallharte Schatten (nicht wie die Mittagssonne), aber auch ohne die alleszudeckende Weichheit eines trüben, stark bewölkten Tages.

Um so ein Hauptlicht künstlich/kontrolliert zu erzeugen ist eine große, silbern-indirekte, eher runde Lichtquelle – z.B. die Elinchrom Rotalux Indirect 150mein Favorit. Natürlich wäre ein großer, parabolischer Silberschirm sehr ähnlich – halt mit 1,2m oder mehr und unbedingt der Lichtquelle GENAU auf der Schirmachse, z.B. ein Ringblitz – ein normaler Blitzkopf wäre zu weit aus der Mittenachse draußen. Allerdings dann ohne die optionale Diffusormöglichkeit und Stabilität der Rotalux. Hier ein out-of-box (unbearbeitetes) Beispiel …

Combo2 1

Im linken Bild sehn wir die Ausleuchtung sehr klar/knackig. Mit definiertem (dunklen) aber doch weichkantigem Schatten (Haare/Nase) und betonten hellen Stellen (Gesicht, T-Shirt). Dabei perfekte feine Strukturdetails am T-Shirt (in 800x1200 sehr eindeutig als Feinrippmaterial erkennbar). Aber ohne unvorteilhafter Hautdarstellung - keine kleinen punktförmigen hellen Stellen. Eben mein Lieblingslicht - eine sehr große, aber gerichtete Lichtquelle.

Im rechten Bild wird die Sprache bewusst zarter. Die Schatten und hellen Stellen sind weniger deutlich. Speziell die Schatten sind damit weniger dunkel und die Schattenübergänge noch weicher. Gleichzeitig werden damit natürlich auch die Stoffstrukturen abgemindert (der Feinripp ist kaum erkennbar), aber die Haut natürlich auch noch zarter. Wie? Durch einen Stoffdiffusor vorne auf der Rotalux (inkludiertes Zubehör). Eben eine sehr große und diffuse Lichtquelle.

Noch zur Mechanik der Rotalux indirect 150 – ich kann dort den Blitzkopf wie in einer normalen Octabox montieren. Oder eben indirekt, sodass er in die Octa hineinleuchtet (mag ich lieber). Bin mit der Schirmaufspannmechanik extrem zufrieden, die Octa ist extrem schnell/einfach zerlegt/aufgebaut und kommt in einer super Transporthülle. Mein einziger Kritikpunkt ist die Stativaufhängung bzw. der Neiger– aus “billigem Plastik” und vorsichtig zu behandeln (“kriecht” wenn sie nicht festgezogen ist, und ich hab schon einen Feststellhebel abgebrochen – werde den ev. durch einen Metallenen ersetzen).

OK, im Bild oben ist die Rotalux natürlich nicht die einzige Lichtquelle. Ich hab noch ein Akzentstreiflicht (eine Beauty-Dish mit Wabe, oben) sowie ein Hintergrundlicht (Striplight). Um Model Daria besser vom Hintergrund abzuheben (siehe Schattenbildung auf den Armen) steht sie zwischen 2 Abschattern. Hier das Lichtsetup in meinem Studo ..

Combo 1

Vielen Dank an Model und Visagistin Daria. Sie ist als Model und Visa extrem vielseitig und kann für mich die verschiedenen Lichtcharakteristika optimal darstellen – von ganz, ganz zart bis aber auch sehr hart. Ich werde die Serie über Lichtstimmungen (der erste Beitrag war ja hier) mit ihr fortsetzen - mehr folgt!!

P.S.: Das Ganze war mein erstes eigenes Shooting mit der D800. Soweit SEHR zufrieden. Die AF-Empfindlichkeit, der Dynamikumfang und die Auflösung sind wirklich ein Riesensprung zur D3/D700 Generation. Ein kleines weiteres AHA: Die D800 verspricht, über die Belichtungsmessung Gesichter zu erkennen und damit automatisch den richtigen AF-Sensor zu wählen. Warum bringt das etwas – ich kann mich bewegen, auch dem Model in ihrer Bewegung perfekt folgen und sofort auslösen. Funktioniert bei frontalen Teilkörperportaits wie oben rechts sehr gut (auch bei Blende 4). Bei Portraits wie oben links wird die Fehlerrate dann sehr hoch und ich muss den Fokussensor besser selber wählen.

Tagebuch “neue Kamera”: Tag 3 – wozu überhaupt?

von Andi Kunar am 26.4.12 23:55

Ich mag gerne Neues, eine neue (bessere) Kamera, einen neuen (besseren) PC,… – aber dabei ist es nicht das Neue, sondern eher die Suche nach dem Besseren/Perfektion. Wie geh ich damit mit einer neuen Kamera um?

1) ignoriere zunächst die Tipps – “geh damit fotografieren”. Wenn ich die neue Kamera wie die alte bediene, nutze ich deren Vorteile nicht aus. Ist so wie wenn ich mein neues 7-Gang Auto immer mit den gewohnten 5 Gängen fahre. Ein Lesen der Bedienungsanleitung, und – weil es ein komplexes Gerät ist – eine gründliche Programmierung/Voreinstellung ist notwendig.

2) OK Handbuch (zumindest überblicksweise) gelesen – welche neuen Möglichkeiten tun sich auf? WLAN Datenübertragung, Objektivkompatibilität/-leistungstest, Video,… – zunächst mal priorisieren, was ist Ablenkung und was ist FÜR MICH aktuell wichtig. Hier grob experimentieren, um im für mich Wichtigen basis-fit zu sein (Video ist für mich mal auf später verschoben – ist mir mit dem nötigen Drumherum doch zu aufwändig).

3) DANN fotografieren (aber nix Geschäftskritisches) – mit meiner alten Kamera konnte ich das eh einigermaßen, und jetzt weiß ich, was ich mit der neuen erreichen will/könnte und kann mich da gezielt entwickeln.

OK, damit lass ich das Tagebuch mal sein und geh ab morgen fotografieren Smiley

P.S.: einige D800 Erfahrungsdetails der letzten 3 Tage:

  • Speicherplatz – die RAWs sind nun 3x so groß – für mich komprimierte 30-55 MByte pro Bild. Speicherkarten hab ich genug. OK, meinen 7TB Server werde ich demnächst mit einem mit 12TB (erweiterbar auf mind. 24TB) austauschen müssen (halt sobald die Festplatten billiger werden).
  • Rechnerleistung – abgesehen von Photoshop Öffnen/Speichern merke ich beim Arbeiten im Lightroom eigentlich keinen Unterschied
  • D800 Bedienung – bin sehr positiv überrascht – total klar/einfach. Eine störende Kleinigkeit – ich kann in meinen definierten Shootingsituationen zwar alles Mögliche speichern (nun auch neben den Tastenbelegungen,… den Kameramodus, Blendenvorgabe,…), bloß nicht die AF-Einstellungen (irgendwer bei Nikon hat da übersehen/entschieden, dass die AF-Details nun kein Schalter mehr sind, aber es trotzdem nicht mitspeichert)
  • D800 AF – Mit Blende 4/5.6 Objektiven hatte ich im Studio ohne Einstellicht mit der D3/D700 leichte Fokusprobleme. Mit der D800 klappts einwandfrei. Ja, ich könnte die Raumbeleuchtung heller machen (direkt oder Einstellicht), aber ich mag bei Portraits möglichst offene Pupillen und gleichzeitig die Bequemlichkeit der leichteren f4 Objektive.
  • D800 Bildqualität – bin von der Klarheit/Reinheit der Bilder sehr positiv überrascht. Selbst wenn ich bei z.B. brutalen Mittagssonnenportraits die Schattenpartien intensiv aufhellen muss habe ich vs. der D3/D700 unerwartet mehr Details und keinerlei Rauschen.
  • 36Mpixel Shootingdisziplin – sicherheitshalber eine etwas kürzere Verschlusszeit als gewohnt (werde mal mit 1/200s für 85mm statt meiner bisherigen 1/160s beginnen) und Abblenden bis max. Blende 9 (ab 13 wirds Diffraktionsunscharf)
  • Objektive – das 24-120/4VR sowie 70-300/4.5-5.6VR sehen an der D800 sehr gut aus (meine Studiobequemlichkeitsobjektive), 85/1.4D und die alten/lieblings-AIS (50/1.2, 105/2.5) muss ich mir noch genauer ansehen. Ev. muss ich mein 85/1.4D mit dem neuen 85/1.8G ergänzen (ist preiswert und an der D800 extrem gut).
Inhalte bzw. Bildmaterial © Andi Kunar bzw. © Werner Mokesch